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Blüten in der Chinesischen Kultur & Medizin 1

 

Blüten (hua) in der Chinesischen Kultur und Medizin  

                               -- von Gerd Wiesemann

 

„Ein paar Pflaumenzweige in der Mauerecke 

blühen allein in der Kälte. 

Selbst aus der Entfernung weiß ich, 

dass dort kein Schnee liegen kann, 

weil heimliche Düfte herangeweht werden.“ 

schreibt Wang Anshi 王安石 10211086

 

Die Winterkirsche und Pflaumenblüte können schon zum Winterende oder Frühlingsanfang erblühen. Trotz Kälte und Schnee brechen ihre Knospen auf noch bevor Beide Blätter entwickelt haben. Während die Winterkirsche schon im November oder Dezember blüht, öffnet die Pflaume ihre Blüten zum Frühjahrsfest. Aufgrund dieser herrlichen Blütenpracht pilgern Scharen von Blütenliebhaber z.B. zum Pflaumenblüten-Festival in die Chaoshan Hügeln nahe Hangzhou um das Blütenmeer zu bestaunen.

 

Die Schönheit von Blumen und Blüten spielen in der Chinesischen Kultur einen besonderen Rolle.[1]  Viele chinesische Städte haben z.B. ihre eigene Stadtblume bzw. -blüte. 

Mädchen werden häufig nach Blumen und Blüten benannt[2].

Und der Glanz und die Prachtentfaltung der Blüten  inspirierte Poeten und bezauberte Kalligrafen und Maler.   So beschrieb der berühmte Poet Liu Bo seine „Junge Pflaumenblüten in den Berggärten“ von Gushan bei Hangzhou.

„Wenn alle Blüten gefallen sind, zeigen sie allein Wärme und Schönheit

Sie sind verantwortlich für die romantische Stimmung im Garten

Sanfte Schatten neigen sich über klares, seichtes Wasser

heimliche Düfte schweben während der Dämmerung mit dem Mond heran

Ein vorbeifliegender Eisvogel versucht einen Blick zu erhaschen

Wenn die rosafarbenen Schmetterlinge von ihnen wüssten, würden ihre Herzen zerspringen

Glücklicherweise kann ich mich beim leisen Singen poetischer Zeilen mit ihnen anfreunden,

und brauche weder Musik von singenden Mädchen noch Wein aus goldenen Kelchen“

 

Jede Jahreszeit und jeder Monat haben ihre eigene besondere Blüte bzw. werden durch bestimmte Blüten (Pflanzen) symbolisiert, die so genannten „vier Edlen“ (si jūnzi). Für den Winter steht die Kirschblüte, für den Frühling die Orchidee, für den Sommer der Bambus und für den Herbst die Chrysanthemen. 

Blüten stehen auch für besondere Charaktereigenschaften und versinnbildlichen somit geistige Eigenschaften, sie stehen für Moral, Integrität, Reinheit, Hoffnung und sogar für Mut, Tapferkeit und Standhaftigkeit.

 

 

Lĭ Fāngyīng (1696-1755): Pflaumenblüte, mei  (Winter)

 

 

 

Zhào Mèngjiān (1199–1264): „Drei Freunde des Winters“. Pflaumeblüte, Kiefer und Bambus

 


 

Blüten in der Chinesischen Medizin

 

In der Chinesischen Medizin spielen die Blüten als Therapeutikum ebenfalls eine wichtige Rolle. Durch Vergleichbarkeiten und Zuordnungen stehen die Blüten im Sinne ihrer Signatur   und Analogie zu spezifischen Körperaspekten, Krankheiten und Symptomen.

Blüten symbolisieren die leuchtende Kraft der Sonne, stehen dadurch in Beziehung zum yang des Körpers und somit zu Kopf, Gesicht und Haut, zu den Sinnesorganen, zum Nervensystem, zu Herz, Lunge und Leber, Psyche und Geist[3].  Entsprechend haben sie darauf Einfluss um Qi und Blut zubewegen und um alles in Fluss zubringen und zu halten.

 

Blüten in der Dermatologie und Gynäkologie

 

Blüten sind Sinnbild für Schönheit, Jugend und helfen bei Frauenleiden

Einer alten Legende zufolge kochte die Himmelskönigin für ihre 7 Töchter ein Gericht, für das sie 7 verschiedene Blüten benutze, für jede Tochter eine spezielle Blüte. Da alle Töchter sehr hübsch wurden und Langlegens ihre Jugendlichkeit behielten, baten Sie ihre Göttin (Mutter) die Blumen für alle Frauen auf der Erde anpflanzen zu dürfen, um ihnen Schönheit und Jugendlichkeit zu ermöglichen und um ihre Frauenleiden zu lindern.

 

Die Farben der Blüten erfreuen das Auge, sie sind reizvoll, und anregend, ihre Düfte sind betörend, und anziehen, daher verkörpern sie Schönheit, Ästhetik und das sie ebenfalls den Frühling repräsentieren, stehen sie auch für Jugendlichkeit. 

Entsprechend der genannten Attribute werden sie daher in der Dermatologie eingesetzt.

[1] Chinese Flower Symbolism, Alfred Koehn, Monumenta Nipponica, Vol. 8, No. 1/2 (1952), pp. 121-146 (26 pages) Published By: Sophia University

[2] Roman „Djin Ping Mei“ eines der Vier großen Meisterwerken 

[3] Gerd Wiesemann, Blüten in der Chinesischen Medizin, Analogien und Zuordnungen (Qǔ xiàng bǐ lèi) von Arzneien  veröffentlicht 04/2021  Qi · Zeitschrift für Chinesische Medizin

 

 Copyright: Gerd Wiesemann, Sino-German TCM Academy